Artikelserie: Innovative Rahmenbedingungen im Unternehmen

Unternehmen mit Freude am Experimentieren – Digitale Technologien als Motor der Innovationskraft (Teil 3 von 8)

von Thomas Hueber

am 4. August 2020

Mut geht mit Entwicklung Hand in Hand. Wer sich nichts traut, der verharrt in einer Situation, die ihn nicht voranbringt. Das trifft auch auf Unternehmen zu. Unternehmensleiter, die Freude am Experimentieren haben, verzeichnen oft unerwartete Erfolge. Ein Arbeitsumfeld, das von optimistischem Pioniergeist und dem Hang zu Neuem gekennzeichnet ist, begeistert auch die Mitarbeiter. Die Verwendung der neuesten Technologien und Erkenntnisse der Wissenschaft gehören zu den innovativen Rahmenbedingungen, die Unternehmen ihren Mitarbeitern anbieten können. Hinzu kommt, dass einige Unternehmen es verstanden haben, die klügsten Köpfe in der Firma mit dem Entwickeln von digitalen Innovationen zu beauftragen, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.

Der Halbleiter-Hersteller Advanced Micro Devices (AMD Corp.: USA, Gründung 1969, über 8.900 Mitarbeiter, mehr als 6,5 Mrd. US-Dollar Umsatz (2018)) setzt sogenannte „Leapfrog“-Teams (Leapfrog: (dtsch.: Bockspringen), Überspringen bzw. Auslassen einzelner Schritte im Rahmen eines vorgegebenen Arbeitsablaufs) ein, ausgewählte Gruppen von Ingenieuren, die parallel an verschiedenen Generationen von Chip-Designs (Produktgenerationen) arbeiten, um so Innovationen schneller und erfolgreicher auf den Markt zu bringen und dadurch die Konkurrenz zu überholen. Die Leapfrog-Strategie setzt voraus, dass die notwendigen Ressourcen und das Know-How vorhanden sind, um bestehende Technologien erfolgreich weiter zu entwickeln und daraus revolutionäre Produkte zu generieren.

Wirtschaft und Wissenschaft arbeiten sehr oft zusammen, um herausragende Ergebnisse zu erzielen. Der globale Pionier und Marktführer im Bereich der robotergesteuerten Prozessautomatisierung (RPA) Blue Prism (BLUE PRISM Group: UK, Gründung 2001, über 180 Mitarbeiter, mehr als 570 Mio. GBP Umsatz in 2019) stellt seine Produkte, Software und die Ausbildungsmaterialien höheren Bildungseinrichtungen weltweit zur Verfügung. Die Blue Prism University bietet den über 180 Partnereinrichtungen auf der ganzen Welt Schulungen zum Umgang mit „Connected RPA“ und zur Anwendung der neuesten AI-Funktionen auf die Automatisierung an. In dem betriebseigenen Labor für künstliche Intelligenz (AI – Artificial Intelligence (dtsch. Künstliche Intelligenz), Computerprogramme, die die menschliche Intelligenz nachahmen und selbstständig diverse Aufgaben erfüllen) arbeiten hochkarätige Forscher und Ingenieure zusammen, um die Grenzen der RPA zu überschreiten und zuverlässige AI-Systeme zu entwickeln, die den Menschen dazu verhelfen sollen, produktiver zu sein.

Forschen rund um die Uhr: Der Forschungskomplex für angewandte Physik der privaten Johns Hopkins University (Die private Universität, 1876 in Baltimore, USA gegründet, hat mehr als 26.000 Studierende) bietet seinen Mitarbeitern Zugang zu den neuesten Technologien, wie zu 3D-Druckern, zu einem VR/AR-Raum (VR/AR – Virtual Reality/Augmented Reality – die Darstellung und Wahrnehmung der Wirklichkeit in einer in Echtzeit computergenerierten, virtuellen Umgebung. Bei der AR sind die virtuellen Inhalte als Teil der realen Welt dargestellt) oder zu einer elektronischen Werkbank, und das 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche. Außerdem gibt es hier eine zentralisierte und aktualisierte Datenbank, wo Forscher erfahren können, welche Entwicklungen und Entdeckungen in anderen Labors gemacht worden sind. Dadurch, dass die Forscher Informationen zu den jüngsten Entwicklungen bekommen, aber auch die modernsten Technologien nutzen können, steigt ihre Produktivität um ein Vielfaches. Mehr als 400 neue Entwicklungen und insgesamt 30 neue Patente konnte das Labor für angewandte Physik allein im vergangenen Jahr anmelden.

Auch für den Software-Betrieb Mozilla (Mozilla Corp., USA, Gründung 1998, über 1000 Mitarbeiter, mehr als 560 Mio. US-Dollar Umsatz (2017)) wird Innovation großgeschrieben: Der Open-Source-Technologienentwickler, der 2004 die erste stabile Version von Firefox auf den Markt gebracht hat, hat in den vergangenen vier Jahren etwa 6,4 Millionen US-Dollar verschiedenen Universitäten, Forschungsinstituten und anderen Partnern zur Verfügung gestellt, um gemeinsam mit dem betriebseigenen „Open Innovation Team“ verschiedene Open-Source-Softwareprodukte zu entwickeln. Ziel des Unternehmens ist es, das Internet sicher, offen und allen zugänglich zu machen. Mozilla hat es beispielsweise verstanden, die Innovationsquellen optimal zu nutzen, um eigene, innovative Produkte auf den Markt zu bringen.

In einem außergewöhnlichen Ambiente, das das innovative Denken fördert, können Unternehmer und Mitarbeiter ihr kreatives Denken entfalten, und zwar ohne Hemmungen. Greenhouse nennt sich das Konzept von Deloitte (Dienstleistungsunternehmen (Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting), Gründung 1845, über 312.000 Mitarbeiter, mehr als 46 Mrd. USD Umsatz), das die Mitarbeiter dabei unterstützen soll, mit geschäftlichen Herausforderungen umzugehen. In einem besonderen Raum, der kreative und technische Möglichkeiten zur Verfügung stellt, teilen Experten ihr Wissen und stehen unterstützend zur Verfügung. Gerade bei komplexen Aufgabenstellungen kann das Deloitte Greenhouse den Teilnehmern behilflich sein, innovativ und kreativ zu sein, um gemeinsam nachhaltige Lösungen zu finden.

Der Einsatz von neuen digitalen Technologien und das Schaffen eines Arbeitsumfeldes, das zum kreativen Denken anregt, bringt die Produkt- und Dienstleistungsinnovation voran.

Hier geht es zu Teil 2 der Beitragsreihe: Der Wissenstransfer unter Mitarbeitern ist wichtig

Hier geht es zu Teil 4 der Beitragsreihe: Unterschiedliche Perspektiven und Meinungen führen zum Erfolg

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. Thomas Hueber
Gründer und Managing Partner von HME

Thomas Hueber ist Dipl.-Ing. Maschinenbau / Verfahrenstechnik.

Dipl.-Ing. Thomas Hueber berät und unterstützt seit über 30 Jahren das Executive & Senior Management von Produktions- und Technologieunternehmen.
Seit Gründung in 2015 konzentriert sich Thomas Hueber mit seinem Team auf die Produktionsoptimierung und Effizienzsteigerung im Engineering in KMUs sowie in BUs internationaler Industrieunternehmen.

Nach dem Studium war Thomas Hueber zunächst für den Stahl- und Anlagebaukonzern Preussag als Senior Project Engineer international tätig. Anschließend mehrere Jahre in mittelständischen Fertigungsunternehmen und Automobilzulieferern der metallverarbeitenden Großserienfertigung als Senior Manager/Bereichsleiter für Industrial Engineering. Später CTO, COO, GM, VP und Werkleiter in der Fertigung – meist parallel verantwortlich für Engineering, Entwicklung und Projektmanagement – von Produktions- und Technologieunternehmen in den Branchen Maschinenbau, Anlagenbau, Sondermaschinenbau und High Tech (Elektronik, Sensorik, Optik, Laser, Nanotechnologie).

In den Leistungsfeldern Einführung von Lean Manufacturing und Operational Excellence sowie im Projekt TurnAround (Projekt-Rettung) verfügt Thomas Hueber über besondere Erfahrungen. Darüber hinaus ist Thomas Hueber regelmäßig als C-Level Interim Manager in Produktions- und Technologieunternehmen erfolgreich unterwegs.

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