Artikelserie: Innovative Rahmenbedingungen im Unternehmen

Innovation Challenges : Wie Unternehmen Mitarbeiterideen in Geschäftswert verwandeln (Teil 6 von 8)

von Thomas Hueber

am 1. Dezember 2020
EXECUTIVE SUMMARY
Interne Challenges machen aus Mitarbeiterwissen einen systematischen Innovationshebel. Statt Ideen auf einzelne Funktionen oder Führungsebenen zu begrenzen, mobilisieren sie die gesamte Organisation, um konkrete Geschäftsprobleme zu lösen, neue Ansätze zu entwickeln und operative Verbesserungen schneller voranzutreiben.
Der entscheidende Wert liegt in der Verbindung von klarer Herausforderung, funktionsübergreifender Zusammenarbeit und sichtbarer Umsetzung. Unternehmen erschließen damit nicht nur zusätzliche Innovationskraft, sondern stärken zugleich Engagement, Eigenverantwortung und die Fähigkeit, vorhandenes Wissen schneller in messbare Wirkung zu übersetzen.
Industriebeispiele : Facebook = digitale Produktinnovation, Activision Blizzard = strukturierte Problemlösung, Bühler = industrielle Innovation und Nachhaltigkeit.

Interne Innovation Challenges: Wie Unternehmen Mitarbeiterideen in Geschäftswert verwandeln

Ein Beitrag von Thomas R. Hueber · Lesezeit : 3–4 Minuten.

Die größte ungenutzte Innovationsressource eines Unternehmens sitzt häufig bereits im Unternehmen – sie muss nur systematisch aktiviert werden.

Wie wäre es, wenn zur Lösung von Problemen im Geschäftsalltag, alle Mitarbeiter mit unterschiedlichen Ideen beitragen könnten ? Und zwar, indem sie sich an einer Challenge beteiligen.

Interne Innovation Challenges schaffen genau diesen Rahmen. Mitarbeiter entwickeln Lösungen für reale Herausforderungen, hinterfragen bestehende Prozesse und bringen Perspektiven ein, die im Tagesgeschäft häufig ungenutzt bleiben.

Aus Mitarbeitern werden damit aktive Mitgestalter der Unternehmensentwicklung. Gleichzeitig fördern Challenges Engagement, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und ein stärkeres Bewusstsein für Innovation.

„Die interne Verbesserung und Innovation beginnt häufig bei den Menschen, die die Probleme eines Unternehmens jeden Tag erleben.“

Der strategische Nutzen geht damit weit über Motivation hinaus : Unternehmen erschließen die kollektive Innovationskraft ihrer Organisation.

Facebook: Freiraum kann Produktinnovation beschleunigen

Wie wirkungsvoll dieser Ansatz sein kann, zeigte Facebook bereits in seinen frühen Unternehmensjahren. In internen Hackathons arbeiteten Mitarbeiter gemeinsam an neuen Ideen und Produktfunktionen.

Der Fokus lag bewusst auf Experimentieren, Entwickeln und schneller Umsetzung. Aus diesem Umfeld entstanden unter anderem Funktionen wie der Like-Button, die Timeline und Chat-Anwendungen.

Facebook demonstrierte damit früh ein wichtiges Prinzip:

Unternehmen können Innovation nicht verordnen – aber sie können Räume schaffen, in denen sie entsteht.

Hackathons waren dabei nicht nur ein Instrument für Produktentwicklung, sondern auch ein Mittel, um Teams zu verbinden und eine experimentierfreudige Unternehmenskultur aufzubauen.

Activision Blizzard: Aus Ideen wird strukturierte Problemlösung

Der Spielekonzern Activision Blizzard, bekannt durch Marken wie World of Warcraft und Call of Duty, setzte mit seiner 5×5 Innovation Challenge auf ein stärker strukturiertes Format.

Fünf Mitarbeiter arbeiteten fünf Wochen lang gemeinsam an einer konkreten Unternehmensherausforderung. Aufgaben konnten beispielsweise darin bestehen, einen Pitch für eine neue Franchising-Idee zu entwickeln.

Der Unterschied zu klassischen Ideenwettbewerben ist entscheidend : Mitarbeiter reichen nicht nur Vorschläge ein. Sie entwickeln und präsentieren konkrete Lösungen.

“Interne Verbesserung und Innovation gewinnt an Wert, wenn aus einer Idee innerhalb kurzer Zeit eine belastbare Lösung entsteht.“

Das Format verbindet damit Innovation, Teamarbeit und unternehmerisches Denken.

Bühler: Innovation funktioniert auch in traditionellen Industrien wie dem Maschinen- und Anlagenbau

Dass interne Challenges keineswegs auf Software- oder Digitalunternehmen beschränkt sind, zeigt der Schweizer Technologiekonzern Bühler.

Das Maschinenbauunternehmen bindet seine weltweit mehr als 13.000 Mitarbeiter regelmäßig in eine unternehmensweite Innovation Challenge ein. Die Teilnehmer werden dabei bewusst sichtbar gemacht und intern als „Superhelden“ der Innovation positioniert.

2018 stand beispielsweise eine konkrete strategische Herausforderung im Mittelpunkt : Gesucht wurden Ideen, um Energieverbrauch und Abfall um 30 Prozent zu reduzieren.

Damit zeigt Bühler, wie sich Mitarbeiterinnovation unmittelbar mit strategischen Unternehmenszielen verbinden lässt.

„Innovation wird relevant, wenn Mitarbeiter nicht über abstrakte Zukunftsthemen sprechen, sondern an realen strategischen Herausforderungen arbeiten.“

Drei Branchen, ein gemeinsames Prinzip

Die Beispiele zeigen unterschiedliche Ausprägungen desselben Ansatzes:

Facebook nutzte interne Wettbewerbe, um Produktinnovation und Experimentierfreude zu fördern. Activision Blizzard machte daraus einen strukturierten Prozess zur Lösung konkreter Geschäftsprobleme. Bühler übertrug das Prinzip auf ein globales Industrieunternehmen und verknüpfte Mitarbeiterinnovation mit Effizienz- und Nachhaltigkeitszielen.

Der gemeinsame Nenner ist klar : Mitarbeiter werden nicht nur informiert oder motiviert, sondern aktiv in die Innovationsstrategie eingebunden.

Dabei werden zugleich Fähigkeiten sichtbar, die klassische Organisationsstrukturen häufig nicht erkennen.

„Innovation Challenges zeigen nicht nur neue Ideen – sie machen auch bislang unentdeckte Talente sichtbar.“

Der Geschäftswert entsteht durch Umsetzung

Eine Challenge allein schafft jedoch noch keine Innovationskultur. Entscheidend ist, was mit den Ideen anschließend geschieht.

Mitarbeiter müssen erkennen können, welche Probleme sie lösen sollen, welche Ressourcen verfügbar sind und wie vielversprechende Vorschläge weiterentwickelt werden.

Wer Ideen sammelt, ohne sie konsequent zu prüfen und umzusetzen, riskiert Frustration statt Engagement.

„Der Wert einer Innovation Challenge misst sich nicht an der Zahl der Ideen, sondern an der Qualität ihrer Umsetzung.“

Richtig gestaltet, verbinden interne Wettbewerbe Innovation, Talententwicklung und Unternehmenskultur. Sie aktivieren Wissen und Kreativität, die längst im Unternehmen vorhanden sind – und übersetzen Mitarbeiterengagement in konkreten Geschäftswert.

Hier geht es zu Teil 5 der Beitragsreihe: Initiativen testen, bevor sie umgesetzt werden – Unternehmen mit klarer Botschaft: Scheitern ist erlaubt

Hier geht es zu Teil 7 der Beitragsreihe: Die Meinung der Mitarbeiter ist gefragt – Innovative Unternehmen fördern den offenen Dialog

 

 


Verwendete Quellen

Die Inhalte basieren auf der praktischen Erfahrungen aus dem Projekt und aus Fachartikeln.

Der Beitrag und die darin verwendeten Kennzahlen basieren auf der praktischen Erfahrungen aus Kundenprojekten und Erfahrung als Führungskraft im Engineering (Industrial Engineering und Produktentwicklung).

 

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Über den Autor

Thomas R. Hueber, Dipl.-Ing., ist Gründer von Hueber Management Engineers (HME) und begleitet Industrieunternehmen seit 2001 bei der nachhaltigen Verbesserung von Kosten, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.

Als ehemalige Führungskraft in Industrie- und Produktionsunternehmen – unter anderem als Werkleiter, VP und Business Unit Leiter – verbindet er operative Praxiserfahrung mit Industrial Engineering und strategischem Management. Sein Fokus liegt nach der Erstellung von Konzepten, vor allem auf deren konsequenter Umsetzung bis zum messbaren Ergebnis. Seine Vorgehensweise ist vielfach bewährt — gerade auch im Umfeld von Cost Improvement & Performance Improvement TurnAround & Transformationen und von Private-Equity-Investoren.

HME steht für Cost & Performance Improvement mit nachhaltiger Wirkung: fundierte Analyse, individuelle Lösungsentwicklung und operative Umsetzung aus einer Hand. Ziel jeder Zusammenarbeit ist es, messbare Ergebnisverbesserungen zu erzielen und gleichzeitig Kompetenzen dauerhaft im Unternehmen zu verankern.

Weitere Details finden Sie hier auf dieser Homepage – oder auf www.thomas-hueber.de – oder auf LinkedIn unter www.linkedin.com/in/thomas-r-hueber-hme/

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