Wenn über Produktivität gesprochen wird, richtet sich der Blick fast reflexartig auf die Produktion. Maschinen, Anlagen, Taktzeiten, Schichtmodelle oder OEE stehen im Mittelpunkt. Das eigentliche Potenzial entsteht jedoch deutlich früher.
Die meisten Kosten, die spätere Komplexität und ein erheblicher Teil der Produktivität werden bereits in Entwicklung, Konstruktion und Layout- & Organisationsgestaltung festgelegt. Wer dort Komplexität zulässt, versucht später mit Lean-Programmen zu reparieren, was längst in das Produkt eingeschrieben (betoniert) ist.
Produktivität ist deshalb keine Eigenschaft der Fertigung. Sie ist das Ergebnis von Industrial Engineering und Produktionsleitung.
Achtung Spoiler ! : Die zentrale Botschaft des folgenden Beitrags lautet : dass Einfachheit des Wertstroms (Industrial Engineering)‚ ‘fertigungsgerechte‘ Produktgestaltung (DfM) und frühzeitige Berücksichtigung der Fertigung in allen Entscheidungen, die wesentlichen Hebel der Produktivität sind.
Produktivität ist eine Designentscheidung
Produktivität beginnt nicht mit dem ersten Fertigungsauftrag.
Sie beginnt mit jeder Entscheidung, die Komplexität erzeugt oder vermeidet.
Jedes zusätzliche Bauteil, jede unnötige Variante, jede enge Toleranz und jede Sonderlösung verlängert Entwicklungszeiten, erschwert Einkauf und Logistik, erhöht den Prüfaufwand und reduziert die Robustheit (erhöht die Variabilität) der Produktion.
Komplexität ist selten das Ergebnis technischer Notwendigkeit. Meist ist sie das Ergebnis fehlender Konsequenz.
Einfachheit ist kein Verzicht
Ingenieure der Produktentwicklung neigen dazu, technische Eleganz mit technischer Komplexität zu verwechseln.
Dabei ist die schwierigste Aufgabe häufig nicht, mehr Funktionen zu entwickeln, sondern mit weniger auszukommen, die Fertigungs- und Montageschritte im Produkt zu integrieren (zusammenzufassen) – Stichworte : unboxed process Tesla Gigacast.
Einfachheit ist keine Vereinfachung. Sie ist die höchste Form technischer Reife.
Wer Bauteile reduziert, Schnittstellen eliminiert und Prozesse vereinfacht, verbessert nicht nur die Fertigung. Er erhöht Qualität, Liefertreue, Wartbarkeit und Geschwindigkeit gleichermaßen.
Produktivität entsteht dort, wo Entwicklung und Produktion zusammenarbeiten
In vielen Unternehmen entwickelt das Produktengineering das Produkt und übergibt es anschließend an die Fertigung.
Damit beginnt der eigentliche Optimierungsaufwand.
Produktive Unternehmen gehen den umgekehrten Weg.
Sie entwickeln Produkte rückwärts, d.h. von den Markt-, Kosten- und Produktionsanforderungen, gemeinsam mit Produktion, Qualität, Einkauf und Service.
Nicht weil alle alles entscheiden sollen, sondern weil Wertschöpfung immer funktionsübergreifend entsteht.
Je früher Fertigungswissen in die Entwicklung einfließt, desto geringer werden spätere Änderungen, Nacharbeiten und unnötige Investitionen.
Messen Sie das Richtige
Viele Unternehmen messen Produktivität erst, wenn produziert wird.
Dann ist es häufig zu spät.
Die entscheidenden Stellhebel wurden bereits festgelegt.
Was sich nicht früh bewerten lässt, lässt sich später oft nur teuer korrigieren >>> 10er-Regel-der-Produktion
Deshalb benötigen Unternehmen Kennzahlen, die bereits in Entwicklung und Konstruktion sichtbar machen, wie ein Produkt einfach gefertigt, montiert, geprüft und gewartet werden kann.
Denn : Nicht alles, was technisch möglich ist, ist wirtschaftlich sinnvoll.
Produktivität ist kein Projekt
Produktivität wird häufig als Programm organisiert.
Mit Kick-off. Mit Projektplan.Mit Endtermin.
Das ist der Denkfehler.
Produktivität ist kein Zustand, der erreicht wird. Sie ist eine permanente Aufgabe.
Jede Entscheidung muss die gleiche Frage beantworten :
– Macht sie unser Unternehmen einfacher oder komplizierter ?
– Schneller oder langsamer ?
– Robuster oder anfälliger ?
Wer diese Fragen konsequent stellt, verbessert Produktivität jeden Tag.
Fazit
Produktivität entsteht nicht durch höheren Druck auf die Produktion.
Sie entsteht durch bessere Entscheidungen lange bevor produziert wird.
Je einfacher Produkte, Prozesse und Organisationen werden, desto geringer werden Reibungsverluste, Fehler und Kosten.
Die produktivsten Unternehmen produzieren nicht schneller.
Sie produzieren intelligenter.
Und genau darin liegt die eigentliche Führungsaufgabe : Nicht mehr Leistung aus Mitarbeitern und Maschinen herauszuholen, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen unnötige Komplexität gar nicht erst entsteht.
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Ich habe über drei Jahrzehnte Führungsverantwortung in Produktion, Industrial Engineering und Process Engineering hinter mir. Heute begleite ich Produktionsunternehmen, die bereit sind, sich ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen – und etwas zu verändern.
Wenn Sie mehr erfahren möchten, finden Sie mich im Netz.
Ob Sie es tun, entscheiden Sie.



